Leben: Weisheit und Autorität
Plädoyer für die Abkehr vom egozentrischen Weltbild hin zum biozentrischen Weltbild.
Einladung zur fragenden Begegnung
Starten möchte ich mit einer Bitte zum Verlangsamen, Innehalten und Überlegen. Zunächst: wonach streben Menschen, vor allem Männer in den letzten mehr als 2000 Jahren? Was haben Männer sich genommen?
Besitz, Macht und Herrschaft
Jetzt können wir einmal über Autorität nachdenken, über die Möglichkeit Macht und Einfluss zu nehmen. Wir können über die Autorität von Erfahrung reflektieren. Wie hat die Autorität deiner Lebenserfahrungen dich geformt? Welche Verhaltensmuster sind daraus in dir entstanden? Was beeinflusst und kontrolliert diese Autorität? Vielleicht sind Autorität und Kontrolle eng miteinander verwoben?
Im Fragen bleiben
Gibt es eine Weisheit des Lebens? Eine Überlegung: zunächst ist es doch bemerkenswert, dass das Leben die Zuwendung von Energie und die Bewegung braucht. Wir wissen, die Erde bewegt sich um sich selbst und um die Sonne. Und das Leben auf der Erde bedarf der Energie der Sonne, damit es sich erhalten und entwickeln kann. Das nenne ich eine wundervolle innewohnende Weisheit.
Auch hier können wir kurz verlangsamen und darüber nachdenken, wie diese Weisheit den Menschen, das heisst auch dich und mich reguliert und geformt hat. Wie bewegt diese Weisheit dich, z.B. deinen Schlaf, deinen Hunger, deinen Durst, deinen Wissensdurst, deinen Wunsch nach Zugehörigkeit und Verbundenheit? Sorgt deine innewohnende Weisheit oder dein «ich» dafür, dass du die Zuwendung von Energie bekommst? Und wie geschieht das? Wie wechselwirken beide?
Vielleicht können wir erkennen, wie diese Weisheit uns bewegt, z.B. den Hunger, den Durst, den Schlaf und Wachrhythmus, allgemein die Zuwendung und Aufnahme von Energie, wie auch deren Abgabe reguliert. Auch hier werden Wechselwirkungen sichtbar, wie Weisheit und Regulation eng miteinander verwoben sind.
Als nächstes können wir uns der Verbundenheit von Autorität und Weisheit zuwenden und überlegen, wie sie miteinander verbunden sind und miteinander wechselwirken? Können wir etwas über uns selbst erfahren, wenn wir darüber in eine Selbstreflexion gehen? Was ist z.B. mit den, im Schmerz aus früheren Lebenserfahrungen, gebundenen Gefühlen? Können wir erkennen, dass die in jeweiligen Erfahrungen wirksamen Gefühle uns geformt haben? Und dass die Energie der emotionalen Aktivierung, die keinen Ausdruck finden konnten, im Schmerz gebunden geblieben ist. Und immer wieder unerwartet wirksam werden kann? Welche Wirkung hat dieser emotionale Permafrost, wie ich es nenne? Wie kann er in heilsam formende Energie gewandelt werden?
Zuordnung
Die Autorität scheint mehr zu männlichen Element zu gehören und die Weisheit zum weiblichen Element. Wie sind männliches und weibliches Prinzip miteinander verbunden und wie wechselwirken sie? Wie wechselwirken sie in dir? Das sollte eine interessante Überlegung sein. Wie haben Menschen Macht und Kontrolle benutzt? Wie setzen sie das geschaffene menschliche Wissen ein? Welche Wirkung verbirgt sich in religiösen Glaubenssystemen? Wie wird diese Wirkung benutzt?
Element.
Allem voran männliche Macht?
Männer in ihrer Kraft und Energie haben sich selbst zur männlichen Autorität erklärt und damit Macht und Herrschaft übernommen. Diese wurde, ist und wird schnell zur grenzüberschreitenden Macht, welche in ihrer Wirkung Leben deformiert. Dies zeigt sich mit der Inbesitznahme, findet global Ausdruck z.B. im Artensterben oder Klimawandel, eben in Macht und Herrschaft und der vielfach damit verbundenen Ausbeutung. Diese männliche Dynamik scheint sich ihrer selbst nicht bewusst. In einer vermeintlichen Macht und Kontrolle über das Leben, glaubt es an seine Autorität und hält sich für bewusst. Es ist die Grundlage eines egozentrischen Weltbildes, eine fatale Illusion.
Ein Prinzip der Weisheit
Eine dem Leben innewohnende Weisheit nährt und formt das Leben durch die Aufnahme und Umformung von Energie. So wie die Erde durch Aufnahme und Umformung von Energie Leben hervorgebracht hat, so benötigt der individuelle Körper Energie für seine Lebendigkeit. Der menschliche Körper transformiert Energie in einer die eigene Lebendigkeit nährenden und erhaltenden Weise und gibt Energie in gewandelter Form wieder zurück. Am Ende sich selbst, so dient es dem, das Leben erhaltenden Kreislauf des Werdens und Vergehens.
Der Körper als weibliches Element des Lebens
Die innewohnende Weisheit des Lebens ordne ich als weibliches Prinzip ein. Sie nimmt Energie auf und wandelt diese in lebendige Form. Sie scheint der Frau, wie auch dem Mann im Wesentlichen verborgenen und nicht grundlegend bewusst. Menschen können sie jedoch beobachten und erahnen. Wenn wir uns der Weisheit der körperlich lebendigen Form bewusster werden, können wir lernen, ihr selbstverständlich und selbstbewusster zu dienen. Ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zum biozentrischen Weltbild.
Zu diesem Prozess, des sich seiner selbst bewusster Werdens, gehört als erster Schritt die Selbstreflexion darüber, wie bisherige Lebenserfahrungen dich geformt haben. Dann wird es in einem nächsten Schritt möglich, Energie für die Transformation der, der eigenen Lebendigkeit abträglichen Muster aufzuwenden und zu lernen, in gewandelter Haltung, der eigenen Lebendigkeit bewusst dienend zu werden. Wesentlich ist dabei auch die bewusste Transformation des inneren emotionalen Permafrostes.
Weisheit und Autorität
Weisheit und Autorität sind zwei wesentliche Qualitäten des Lebens, die zusammenwirken und miteinander verwoben sind. Das Leben besitzt eine innewohnende Weisheit und eine innewohnende Autorität. Wir können lernen, uns von dieser Autorität und Weisheit berühren und führen zu lassen.
Zusammenfassung
Zunächst sollten wir vermutlich dringend aufhören, das Leben auszubeuten. Und stattdessen zufrieden werden mit dem, was das Leben uns schenkt. Denn Leben wird sich im Menschen seiner selbst bewusst. Das «ich erleben» ist ein emergenter Effekt des lebendigen menschlichen Körpers. Hervorgebracht aus den Wechselwirkungen seiner Wahrnehmungsfähigkeit, seinen emotionalen Fähigkeiten und seinen kognitiv kortikalen Fähigkeiten. Es ist ein Geschenk des Lebens an sich selbst. Bildhaft gesprochen ist das „ich“ der Mond des menschlichen Körpers. Es kann der Möglichkeit des Bewusstwerdens dienen. Das «ich erleben» kann beobachten, Aufmerksamkeit schenken, reflektieren, kontrollieren, steuern, lenken, Entscheidungen treffen und Handlungen initiieren. Mit der kognitiven Fähigkeit zur Reflexion und der damit verbundenen Möglichkeit zur Selbstreflexion kann das individuelle menschliche Leben sich seiner selbst bewusst werden.
Geschenk des Lebens
Dieses Geschenk des Lebens an sich selbst bürgt dem Individuum und seinem Kollektiv eine große Verantwortung auf. Hier kam es zu einer irreführenden Weichenstellung. Menschen machten sich auf den Weg, Macht und Herrschaft über das Leben zu übernehmen, begründeten damit ein egozentrisches Weltbild. Das bedeutet schlussendlich, einen Krieg gegen das Leben zu führen.
Das tiefgreifende Bewusstwerden auf dem Weg zum Homo sapiens bedeutet, in eine Dankbarkeit und Demut gegenüber dem Leben zu finden. Wir können Frieden mit und im Leben finden. Grundlage dafür liefert ein biozentrisches Weltbild. Das bedeutet zu lernen, dem Leben und seiner Lebendigkeit dienlich zu sein. Wesentlich dafür ist es auch zu lernen, Grenzen zu achten und zu wahren. Wir können erkennen, wir sind eine Form des sich seiner selbst bewusstwerdenden Lebens. Erst diese lebendige, sich ihrer selbst bewusste Form, dieses kleine Teil des allumfassenden komplexen Lebens, können wir Homo sapiens nennen. Es ist verbunden mit einer Abkehr vom egozentrischen Weltbild: „Mensch im Mittelpunkt“.
Zum neuen Paradigma wird das biozentrisches Weltbild: „Leben im Mittelpunkt“.
Leben kann sich bewusstwerden, bildhaft formuliert: es wird Licht!